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Erschienen in QZ, Qualität & Zuverlässigkeit 3/2008 Belastbarkeit von Handmessmitteln: IP-Schutzklassen richtig deuten
Vor allem bei digitalen Modellen in Standardausführung gibt es immer wieder Fälle, bei denen Messungen in der Fertigung oder der Werkstatt zu Problemen führen, wenn sich Schmutz, Staub, Kühlmittel, Öl oder andere Flüssigkeiten auf dem Messgerät absetzen. Bei Messschiebern kann das zum Beispiel zu Zählfehlern beziehungsweise Anzeigeausfall führen. Bei Geräten minderer Qualität oft sogar, ohne dass diese Störungen auf dem Display durch eine Fehlermeldung angezeigt werden. Auch spröde werdende Bauteile, etwa Bedientasten, oder durch eindringende Feuchtigkeit komplett aussetzende Elektronik sind bekannte Folgen. Auch digitale Messuhren, die häufig in einer Maschine oder in Vorrichtungen eingebaut und dort erheblichen Schmutz- sowie Feuchtigkeitsbelastungen ausgesetzt sind, bedürfen eines speziellen Schutzes. Nur dann erreichen sie eine lange, wirtschaftlich vernünftige Lebensdauer. Woran kann der Praktiker denn nun erkennen, ob seinem Handmessgerät im harten Einsatz Unheil droht, oder ob er ein für seine Aufgabe geeignetes, widerstandsfähiges Spitzenmodell in Händen hält? Wichtigste Orientierungsgröße: die IP-SchutzklasseEine sichere Orientierung bietet ihm vor allem die für das Gerät geltende IP-Schutzklasse. Der Begriff „Schutzart" definiert die Widerstandsfähigkeit eines Gerätes beziehungsweise des Geräteinneren gegen direktes Berühren sowie gegen das Eindringen von Fremdkörpern, zum Beispiel Gegenstände, Staub oder Wasser. Die Widerstandsfähigkeit wird dabei durch internationale Schutzklassen (International Protection = IP) definiert. Die Schutzklassen wiederum werden in IP-Normen (DIN EN 60529) angegeben, wobei eine zweistellige Ziffernkombination den Schutzgrad konkretisiert. Die erste Ziffer bezieht sich auf die Resistenz gegen Festkörper und Staub, die zweite Ziffer bezeichnet die Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von Wasser. Je höher der Wert der jeweiligen Ziffer (erste Ziffer 0 bis 6, zweite Ziffer 0 bis 8), desto größer der Schutz. Im Detail ist das IP-Reglement entsprechend der folgenden Tabellen aufgebaut. Erste Kennziffer: Schutzgrade für Berührungs- und Fremdkörperschutz
Zweite Kennziffer: Schutzgrade für Wasserschutz
Es empfiehlt sich also, schon beim Kauf – und natürlich erst recht beim Einsatz – einen genauen Blick auf die IP-Schutzklasse des Geräts werfen. Allerdings sollte man sich stets bewusst sein, dass die IP-Schutzarten wie sie in der Norm beschrieben sind, immer auf die Widerstandsfähigkeit gegen Wasser und feste Fremdkörper bezogen sind. Letzteres wird bei der Prüfung zum Beispiel einer Staubdichtigkeit (Kennziffer 6) übrigens durch Talkumpuder dargestellt (Foto). Hält man einen Messschieber nach Schutzart IP67 in Händen, so heißt das „lediglich“, dass er beim zeitweiligen Eintauchen (30 Minuten) in Wassertiefen von bis zu einem Meter keine Funktionsstörungen aufweisen wird. Das darf man nicht leichtfertig auf andere Flüssigkeiten übertragen. So sagen die IP-Angaben nichts aus über die Widerstandskraft der Geräte gegen Öle, Emulsionen, Lösungen und Chemikalien, zum Beispiel in Form von Kühlmitteln. Hier liegt es an den Herstellern, geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen und nachzuweisen, so wie es etwa Mitutoyo mit der fortschrittlichen Coolant Proof-Technologie beispielhaft demonstriert. Materialien, etwa für Gehäusedichtungen und Bedientasten, sind dabei so ausgelegt, dass sie widerstandsfähig gegen viele flüssige Substanzen sind. Zusätzliche Sicherheit gibt das TÜV-ZeichenDas TÜV-Zeichen bietet dem Handmessgeräte-Anwender begleitend zur Herstellerangabe einer IP-Schutzart einen weiteren Orientierungspunkt für die Gütebeurteilung. Mit der Ausstellung von entsprechenden Prüfzertifikaten bestätigt zum Beispiel die TÜV Rheinland Group nach intensiven Testreihen die jeweiligen IP-Schutzarten von Handmessgeräten. So trägt etwa als bislang einziges digitales Dreipunkt-Innenmessgerät „Digimatic Holtest“ von Mitutoyo das TÜV-DotCom-Zeichen des TÜVRheinland für geprüften Schutz entsprechend der Schutzart IP65. Für den Anwender bedeutet die TÜV-Beurteilung eine kleine Hilfe bei der Kaufentscheidung: Er ist nicht allein auf die Angaben des Herstellers angewiesen, sondern kann sich zusätzlich auf das unabhängige Urteil eines neutralen Gutachtens verlassen. FazitWer sehr schlechte Umgebungsbedingungen hat und ein wirklich belastbares, qualitativ hochwertiges Handmessgerät sucht, sollte unbedingt auf die richtige IP-Schutzklasse – am besten bestätigt durch das TUVdotCOM-Siegel – sowie zusätzliche konstruktive Abwehrmaßnahmen gegen Chemikalien- und Öl-Einwirkungen achten. Generell git jedoch: Sowohl hohe IP-Einstufungen als auch ergänzende Maßnahmen und Auszeichnungen dürfen nicht als Freibrief für einen sorglosen, gar nachlässigen Umgang mit den Geräten missverstanden werden. Auch ein noch so hochwertiges Handmessgerät wird über kurz oder lang Schaden nehmen, wenn es ohne angemessene Pflege sein Leben fristet. Letztlich hat es auch hier zu einem großen Teil der Benutzer sprichwörtlich in der Hand, wie lange und zuverlässig ein digitales Handmessmittel seinen störungsfreien Dienst im harten Arbeitsumfeld versieht.
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