Immer wieder kommt es im Praxisalltag beim Einsatz von analogen Messuhren zu groben Ablesefehlern. Meist, weil sich der Anwender nicht die Zeit für einen zweiten Blick auf die Umdrehungszähleinrichtung genommen hat. Sicherheitsmessuhren schließen diese Flüchtigkeitsfehler aus.
Während analoge Messschieber oder Bügelmessschrauben zunehmend durch digitale Geräte ersetzt werden, sind analoge Messuhren wegen ihrer so bequem ablesbaren Zeigerdarstellung auf einer Skale nach wie vor sehr beliebt. Entsprechend findet man sie in weiter Verbreitung an nahezu jedem Prüfplatz in Werkstätten und Fertigungshallen.
Bei aller Beliebtheit teilen sie allerdings auch das häufige Schicksal von Basis-Arbeitsmitteln: Man nutzt sie fast „im Schlaf“, ohne sich sonderlich auf ihre meist unkomplizierte Bedienung zu konzentrieren. Eben ganz normaler Arbeitsalltag ohne besondere Herausforderungen und Tücken. Doch weit gefehlt.
Denn gerade beim Einsatz der scheinbar so anspruchslosen analogen Messuhren kommt es immer wieder zu groben Prüffehlern. Weil das Ablesen der Strichskale zu flüchtig erfolgte oder man für einen Sekundenbruchteil während der Messung abgelenkt wurde.
Bereits dieser Wimpernschlag gibt nämlich einem selbst weit außerhalb der Toleranz liegenden Werkstück Zeit genug, sich als augenscheinlich „in Ordnung“ durch die Prüfung zu mogeln. Wie kann das sein?
Messergebnis erfordert ein zweites Hinsehen
Der Grund ist, dass in beiden Fällen – Flüchtigkeit beim Ablesen oder Ablenkung während des Messvorgangs – der Anwender keinen zweiten Blick auf das Ziffernblatt der Messuhr geworfen hat. Doch diese Kontrolle ist bei Geräteausführungen mit fortlaufender Ablesung unabdingbar. Warum?
Mechanische Messuhren zeigen die Bewegung des Messbolzens über einen Zeiger auf einer 360-Grad-Rundskale an. Diese ist je nach Auflösungsvermögen der Messuhr mit einer entsprechenden Skaleneinteilung versehen. Verstellbare Toleranzmarken am Außenring der Messuhr ermöglichen das Markieren von Plus- und Minustoleranzwerten links und rechts des Nullwerts.
Messuhren mit einer Messspanne größer als eine Zeigerumdrehung – also Messuhren mit fortlaufender Ablesung – besitzen eine zweite, sehr viel kleinere Skale auf dem Ziffernblatt. Auf dieser Umdrehungszähleinrichtung werden die Umdrehungen des großen Zeigers der Hauptskale aufgeführt. Jede volle Umdrehung des Hauptzeigers gleicht also einem Teilstrich auf der untergeordneten Skale.
Für die Werkstückmessung wird die Messuhr in einen Ständer gespannt und für die konkrete Aufgabe eingestellt. Dazu wird der Nullwert durch Unterlegen eines entsprechenden Endmaßes als Einstellmeister definiert. Zum Beispiel auf ein Nennmaß von zehn Millimetern.
Mithilfe der Toleranzmarken werden die Plus- und Minustoleranzen markiert – etwa bei +/- ein Zehntelmillimeter. Fertig, die Messuhr ist einsatzbereit.
Einfache Handhabung verführt zu flüchtigem Arbeiten
Genau so unkompliziert wie die Messvorbereitung verläuft eigentlich auch das folgende Messen der Werkstücke. Sie werden einfach unter den längs beweglichen Messbolzen der Uhr gelegt, der seine Position auf den Zeiger überträgt. Dessen Position auf der Skale macht auf einen Blick das Messergebnis deutlich: befindet sich der Zeiger auf dem Nullpunkt – oder zumindest innerhalb der Toleranzmarken – ist das Werkstück in Ordnung. So einfach ist das. Im Prinzip jedenfalls ...
Doch in der Praxis liegt genau in dieser schnellen Auswertung auf einen Blick die Tücke. Weil der Zeiger der fortlaufend messenden Uhr zwar innerhalb der Toleranzmarken steht, bis dahin aber durchaus auch eine komplette zusätzliche Umdrehung auf der 360-Grad-Skale zurückgelegt haben kann. Und zwar unbemerkt vom Anwender. Weil dieser entweder nur flüchtig hingeschaut hat, unkonzentriert oder kurz abgelenkt war.
Wie kommen diese zusätzlichen Umdrehungen zustande? Am konkreten Beispiel des 10-Millimeter-Nennmaßes erläutert: Auch wenn das geprüfte Werkstück statt der korrekten zehn Millimeter tatsächlich 11 Millimeter messen würde, befände sich der Zeiger der Hauptskale exakt auf der Nullposition, da diese im Umlauf ja einem Millimeter entspricht. Dem Anwender würde damit ein auf den ersten Blick korrektes Prüfergebnis suggeriert.
Dies wäre natürlich auch bei jeder anderen Werkstückabweichung im exakten Millimeterschritt nach oben oder unten der Fall, soweit sie innerhalb der Messpanne der Uhr liegen würde. Viel Spielraum also für Fehlurteile.
Diese ergeben sich zwangsläufig, wenn der Anwender fortlaufend ablesbarer Messuhren nicht bei jeder Messung auch die zweite, kleine Skale (die Umdrehungszähleinrichtung) genau im Blick hat. Doch genau das ist in der Praxis aller Erkenntnis nach sehr häufig nicht der Fall.
Tritt der “Millimeterfehler“ auf, werden Teile als „Gut“ betrachtet, die tatsächlich Ausschuß sind oder Nacharbeit erfordern.
Diese natürlich aus Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsgründen unbefriedigende Situation lässt sich jedoch leicht bereinigen: Durch die Verwendung von Sicherheitsmessuhren.
Sicherheitsmessuhren lösen das Problem
Anders als Modelle mit fortlaufender Ablesung lassen Sicherheitsmessuhren nur eine einzige Zeigerumdrehung zu. Da bei diesen Geräten die Zeigerbewegung auf weniger als 360 Grad begrenzt ist, sind Ablesefehler um ganze Millimeter völlig ausgeschlossen. Eine zweite Skale ist naturgemäß nicht vorhanden – und kann somit auch nicht übersehen werden. Ganz im Gegenteil.
Bei Messabweichungen von mehr als einem Millimeter „arretiert“ der Zeiger der Sicherheitsmessuhren in einem rot markierten Bereich der Skale und weist dadurch deutlich auf den Werkstückfehler hin. So praxisnah ist es jedenfalls bei den Sicherheitsmessuhren des weltweit größten Herstellers von Handmessmitteln, Mitutoyo, gelöst.
Den Sicherheitsgewinn gegenüber Modellen mit fortlaufender Ablesung muss man in aller Regel noch nicht einmal mit einer Beschränkung der Einsatzbandbreite bezahlen. Da der größte Teil aller Messuhrenanwendungen Vergleichsmessungen sind, ist nämlich meist ohnehin nur ein sehr begrenzter Teil des Uhren-Messbereichs gefordert.
Natürlich gibt es unabhängig davon viele andere Prüfaufgaben, die den Einsatz von Messuhren mit fortlaufender Ablesung nötig machen. Dennoch empfiehlt es sich praktisch für jeden Betrieb, diese durch Sicherheitsmessuhren zu ergänzen. Zumal deren vergleichsweise günstiger Anschaffungspreis angesichts des enormen Zugewinns an Handlingkomfort und Prüfqualität keinerlei Entscheidungshürde darstellt.